Bullen machen der Bullbar den Garaus
26.6. Baba, Königinnenland
Wir sind wieder mal vor dem Regen geflüchtet und haben das Königinnenland verlassen. In nur vier Tagen hat Harald fast 2.000 km abgespult und wir sind über den Stuart Highway (Northern Territory) nach Norden bis Dunmarra und von dort die dirt road nach Top Springs gefahren. Es hat geschüttet, und die Straße war rutschig, nass und matschig, und das Auto war dann dreck-rot. Einen Tag später war diese Route übrigens gesperrt, wegen Wasser auf der Straße. Na eh. Und Premiere: Wir haben die ersten wild lebenden Dingos gesehen! Und das erste wildlebende Wildschwein! (na gut, für Harald das zweite). Und die erste wildlebende Katze!
In Top Springs mitten im Nichts, wo es außer einem Roadhouse bzw. Motel/Hotel nix gibt, wurde uns dann erklärt, dass unsere geplante Route nach Western Australia gesperrt ist. Da der offizielle Road Report aber anderes sagte (offen, aber mit Vorsicht), sind wir trotzdem den Buntine Highway gefahren. Es ist ja erstaunlich: kaum sieht Harald eine unbefestigte Straße und spürt die ersten Wellblechpisten-Rumpler, schon geht ein Strahlen über sein Gesicht… Und die Sonne kam auch raus, der Regen ist erst mal vorbei!
Die Gegend war wirklich wunderschön und sehr abwechslungsreich. Unendliche grasbewachsene Weideflächen, dann wieder Wald mit blühenden Bäumen (der viele ungewöhnliche Regen ist wie eine kleine verspätete Regenzeit, die Natur lebt auf), dann bizarre Felsenhügel … Ein paar Flussüberquerungen hatten wir auch, aber im Prinzip hatte Harald keine Probleme beim Fahren. Und wir haben nicht mal 4-Wheel-Drive!
Wir haben dann mitten im Busch gecampt, und wenn es nächtens nicht so eiskalt geworden wäre (jaja, die Tanami Wüste ist halt gleich daneben), wären wir dem Wunsch der Kinder gefolgt und länger geblieben. Die haben nämlich selig Sand und Steine umgegraben und Opale gesucht… Ach ja, eine supergiftige, ziemlich große Schlange haben wir auch gesehen, sie ist mitten am Weg gelegen. Eine Mulga-Snake bzw. Western Brown – Foto haben wir eh schon gepostet. Wo die hinbeißt, da lebt nix mehr, no worries at all. Die wilden Pferde, „brumbies“, und ihre Fohlen waren dafür ganz harmlos, wie die ungewöhnlich wenigen Känguruhs.
Als wir am nächsten Tag in Western Australia in Halls Creek wieder die Zivilisation erreicht haben, mussten wir feststellen, dass von dieser Seite die road tatsächlich gesperrt ist! Naja. Wir waren jedenfalls nicht die einzigen, die gefahren sind. Wir haben in zwei Tagen einen Lastwagen und zwei Autos gesehen…
28.6. Kimberleys: Hier war mal das Meer
Es ist wirklich ein Glück, dass es an der Ostküste so geschüttet hat. Sonst hätten wir niemals die wunderschönen, faszinierenden Kimberleys im Nordwesten Australiens gesehen!
Vor 350 Millionen Jahren, im Devon, war die Gegend hier Meeresboden, und die Kimberleys waren das westliche Great Barriere Reef. Heute haben wir die Geiki Gorge (oder Dangku-Gorge, wie die traditionellen Besitzer sagen), per Bootstour besichtigt. Neben jeder Menge Süßwasserkrokodile haben wir die erstaunlichen Kalkstein-Formationen in dieser Schlucht bewundert, die der Fitzroy-River geformt hat.
Fitzroy Crossing ist eine kleine Stadt, die zum Großteil von Aborigines bewohnt wird. Seit vor ungefähr zwei Jahrzehnten ein neuer Highway mit moderner, hoher Flussbrücke gebaut wurde, ist die Stadt das ganze Jahr über erreichbar. Früher war das anders: Jede Regenzeit wurde aus Fitzroy Crossing eine Insel. Die alte Brücke ist noch befahrbar und wir sind natürlich drüber…

29.6. Die durch das Wasser waten
Die meisten buchen ja eine 4-Wheel-Drive Tour hierher, aber bei Haralds Fahrkünsten war es überhaupt kein Problem, den sensationellen Tunnel Creek trotz spannender Flussdurchquerungen zu erreichen. Die Kinder waren selig: Der Tunnel Creek ist eine riesige langgezogene Höhle, die man in Dunkelheit im Licht von Taschenlampen teils auf Sand, teils durch halbwegs seichtes Wasser durchquert. Die beiden kleinen Expeditionsleiterinnen waren hin und weg und sind mit Feuereifer über Felsen geklettert und haben Süßwasserkrebse bewundert. Einer hatte sogar einen frisch gefangenen kleinen Fisch in den Zangen!




Dann gings weiter zur berüchtigten Gibb River Road, die sich als quasi dirt road-Autobahn herausgestellt hat. So sind wir flott nach Derby gekommen, einer Stadt direkt am Meer. Hier haben wir uns ein teures, aber sehr stimmungsvolles Barramundi-Abendessen im Schein von Kerzen mit Blick auf den Sonnenuntergang über der Bucht genehmigt…
1.7. Wir stecken fest
Man sollte halt nicht immer einfach drauflos fahren. Da uns schon mehrfach versichert wurde, dass Broome sehr überlaufen ist, haben wir ein paar sehr idyllische Strand –Campingmöglichkeiten angesteuert, die nördlich der Stadt in der Wildnis liegen. Angeblich kein Problem für unser Auto… Entweder haben wir uns verfahren, oder wir haben was falsch verstanden: Das Auto, das von Fiona wegen seiner japanischen Abstammung auf Kioko getauft wurde, hatte sehr wohl ein massives Problem. Plötzlich drehten die Räder im weichen Sand durch und nix ging mehr.
Nach ein wenig Ausschaufeln kam dann ein Aussie im Geländewagen samt Freundin im Bikini vorbei, der uns ein Stück mitschleppte. Leider in die falsche Richtung, es wurde immer schlimmer. Und sein Auto schaffte die Anstrengung nicht. So hat er uns dann verlassen, mit der Ankündigung: „Back in a minute“. Es wurden Stunden draus, und wir hatten uns schon darauf eingestellt, die Nacht an Ort und Stelle zu verbringen (Wasser und Proviant hatten wir reichlich dabei), da näherten sich Scheinwerfer. Es hat sich herausgestellt, dass der Aussie die Polizei in Broome verständigt hat, und die hat dann zwei sehr nette Polizisten samt Geländewagen und Seilwinde geschickt. Im Licht des Vollmonds haben uns die beiden indigenen Bullen dann rausgezogen und uns dann sogar noch zum sehr angenehmen polizeieigenen Campingplatz gebracht. Dieser Platz ist auf einem Fußball-Platz angelegt und nimmt die Leute auf, die auf den offiziellen Campplätzen nicht mehr unterkommen. Oder die, die wenig Geld haben. Das ganze ist ein sehr tolles soziales Projekt der Polizei, die mit dem Geld die Kinder und Jugendlichen (vor allem die Aborigine) unterstützt und Sportveranstaltungen etc. abhält.
Die Polizisten wollten kein Geld für die Hilfe annehmen, obwohl sie fast 100 km zu uns gefahren sind. Aber sie haben durchblicken lassen, dass wir, wenn wir uns erkenntlich zeigen wollen, doch eine kleine Spende für die sozialen Aktivitäten der Polizeiwache vorbei bringen können. Kein Geld, das dürfen sie nicht annehmen, aber ein wenig Bier wäre schon ok. Einer hat geraucht, und er hat bereitwillig über die bevorzugte Marke Auskunft gegeben.
Selbstverständlich haben wir heute der Polizeiwache eine ordentliche Kiste gekühltes Bier samt Zigaretten vorbeigebracht. Auch wenn unsere Bullbar jetzt im Eimer ist. Die beiden Bullen haben nämlich in so einem eckigen Winkel am Auto angezogen, dass diese so verzogen ist, dass wir sie nur mehr abmontieren und in den Müll geben können. Eine Bullbar hält eben nur Känguruhs und ähnliches aus, aber keine Bullen…


Jetzt sind wir erst mal in Broome und genießen den wunderschönen langen Sandstrand und das klare azurblaue Meer am Cable Beach. Der Sonnencreme-Verbrauch ist sprunghaft gestiegen!